Interview mit Robin Stein: Miterfinder des Biermixgetränks BABO blue

Die Bierbrau-Freunde freuen sich, dass sie Robin von der BABO beverages UG (haftungsbeschränkt) für ein Interview gewinnen konnten:

Als Student macht man viele verrückte Dinge! Wie seid ihr auf die Idee gekommen blaues Bier zu brauen?

Bild von BABO blue in Hotel

© BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Da habt ihr natürlich Recht – So erinnere ich mich z.B. gut daran, als ich aus einer Bierlaune heraus einmal im Entenkostüm im Schnee übernachtet habe. So spontan wie diese im Nachhinein verrückte Aktion ist uns die Idee zum ersten blauen Biermix dann aber gar nicht gekommen. Die TU München hatte im Jahr 2013 den Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel (IGL) ausgerufen. Ziel war es ein Bier, Biermischgetränk oder AfG zu entwickeln, welches es in dieser Form noch nicht auf dem deutschen Biermarkt gibt. Gar keine leichte Aufgabe, wenn man überlegt, dass es allein in Deutschland gut 1.300 Braustätten gibt, die zusammen etwa 5.000 verschiedene Biere herstellen. Die internationalen Marken mal außen vor gelassen. Da wir uns als Team von fünf Brau- bzw. Lebensmitteltechnologen zu einer Teilnahme entschieden hatten, musste also schnellstmöglich eine Idee her. Wir sind daher durch die Supermärkte der Region gegangen und haben geschaut was es schon gibt und was eben noch nicht. Dabei ist uns aufgefallen, dass es zwar sehr wohl Bier in blauen Flaschen gab, allerdings kein Produkt in diesem Bereich, welches selber blau ist. Damit war die Idee zum BABO blue geboren.

Babo ist das Jugendwort des Jahres 2013. Richtet sich euer Bier ausschließlich an eine junge Zielgruppe oder wollt ihr auch andere Zielgruppen ansprechen?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Natürlich sind junge Erwachsene unsere Hauptzielgruppe. Allerdings richtet sich das BABO blue generell an Leute die gerne feiern bzw. in Gesellschaft sind und einfach einen entspannten Nachmittag oder Abend genießen wollen. Erstaunlicherweise haben wir auch festgestellt, dass Personen jenseits der 50 Jahre das BABO blue gerne trinken. Auf Nachfrage haben wir erfahren, dass es für diese Personengruppe eine tolle Alternative zum Radler ist, welches sie auf Grund des reduzierten Alkoholgehaltes einem normalen Bier vorziehen

Was unterscheidet das Babo Blue von anderen Bieren, abgesehen von der leuchtend blauen Farbe? Wie wird es gebraut? Was ist sind die Inhaltstoffe von Babo Blue?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): BABO blue ist ein Mix aus 60 % Bier und 40 % Limonade. Unverkennbar ist die blaue Farbe der USP von unserem Produkt, allerdings hat das BABO blue noch zwei weitere Alleinstellungsmerkmale zu bieten. So haben wir uns bei dem Bier bewusst für ein Bier nach Kölner Brauart entschieden. Dies ist von der Stilistik eher leicht und erstaunlich fruchtig, was ideal zu der von uns entwickelten Beerenlimonade passt. Betrachtet man in Köln den Markt der Biermischgetränke so fällt schnell auf, dass es dort bis auf Kölsch Cola und Kölsch mit Zitronenlimonade nicht viel zu finden gibt. Eigentlich schade bei einem Bier welches, nicht nur durch den Karneval, bei jungen Leuten sehr beliebt ist. Des Weiteren zeichnet das BABO blue noch der Geschmack nach Heidelbeere, Brombeere und schwarze Johannisbeere aus. Dieser Mix aus blauen Beeren ist unserer Erkenntnis nach ebenfalls eine geschmackliche Neuheit auf dem deutschen Biermarkt.
Die Herstellung des BABO blue wird vollständig von uns durchgeführt. Wir haben das große Glück, dass unser Team-Mitglied Kaspar eine Familienbrauerei in Ludwigshafen hat – Die Privatbrauerei Gebr. Mayer. Dort brauen wir unser Bier, mischen die Limonade aus und füllen den fruchtig-frischen Mix aus Bier und blauer Limonade letztendlich auch ab. Das Bier wird dabei natürlich streng nach dem Reinheitsgebot gebraut und enthält daher nur Brauwasser, Malz und Hopfen. Bei der Limonade arbeiten wir mit Invertzuckersirup. Dieser ist zwar sowohl als Rohstoff als auch bei den Steuern deutlich teurer als Süßstoff, gibt dem BABO blue jedoch seinen schönen vollmundigen Geschmack.

Wie würdet ihr den Geschmack von Babo Blue beschreiben?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Sobald man eine Flasche BABO blue öffnet ist dies für das nähere Umfeld wahrnehmbar. Und zwar in Form eines fruchtigen Geruchs, der an die oben erwähnten Beeren erinnert. Nimmt man den ersten Schluck, so fällt sofort auf, dass das BABO blue weniger süß ist als vergleichbare Produkte. Dies ist auf das Mischungsverhältnis von 60/40 zurückzuführen. Handelsübliche Biermischgetränke arbeiten oft mit Biergehalten von 50% oder sogar darunter. Uns war es aber wichtig, dass der Biergeschmack nicht verloren geht. Das BABO blue bewahrt dadurch seinen Bier-Charackter ist im Hinblick auf unsere Zielgruppe aber natürlich auch nicht zu herb. Will man das BABO blue mit drei Worten beschreiben so passen wohl die Attribute: Blau, Beerig, süffig am besten.

Aller Anfang ist schwer! Was sind die besten Dinge, die ihr bei der Vermarktung von Babo Blue gelernt habt?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): PR und Präsenz am Point-of-Sale. Dies sind die Punkte die sich zurzeit bei uns Herauskristallisieren. Für große Marketing-Kampagnen fehlt uns schlicht das Geld, weshalb wir stark auf die Berichterstattung durch TV, Print und Radio setzen. Als Studententeam mit einem auffälligen und leicht verständlichen Produkt haben wir das große Glück, dass wir für viele Medien einen gewissen Reiz haben. So haben uns Berichterstattungen in der SZ, BILD Zeitung, ProSieben, N24 und weiteren großen Kanälen neben einer entsprechenden Aufmerksamkeit auch die lukrativsten Aufträge eingebracht.
Was wir allerdings auch schnell und leidvoll erfahren haben ist, dass es nicht ausreicht nur im Regal zu stehen. Man muss sein „Baby“ bei den jeweiligen Händlern intensiv betreuen und den Kunden näher bringen. Niemand kauft ein Bier nur weil es Blau ist – Eine möglichst persönliche Erklärung was den Kunden bei Kauf erwartet ist unverzichtbar.

Blaues Bier ist sehr ungewöhnlich. Hattet ihr am Anfang Bedenken, dass Babo Blue auf Ablehnung stoßen könnte oder war der Trend vorprogrammiert?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Der Trend war keineswegs vorprogrammiert, da blaue Lebensmittel bei dem Konsumenten schnell auf Ablehnung stoßen. Wir hatten aber insofern keine Bedenken, als das wir ursprünglich gar nicht geplant hatten das BABO blue auf den Markt zu bringen. Erst durch einen großen Auftrag von dem Fernbusunternehmens FlixBus haben wir uns dazu entschlossen die Gründung einer eigenen Firma und die Markteinführung zu wagen. Dieser ging allerdings einen ½ seitigen Artikel in der BILD Zeitung voraus, so dass wir zu diesem Zeitpunkt schon ahnten, dass das BABO blue ein gewisses Interesse weckt.

Ihr habt den Produktinnovationspreis der TU-München-Weihenstephan gewonnen. Wie hat euch das bei der Entwicklung und Vermarktung von Babo Blue geholfen?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Der Wettbewerb war für uns insbesondere in der Entwicklungsphase von großer Bedeutung. So konnten die Veranstalter des IGL bekannten Firmen wie Weyermann, Döhler und die Barth-Haas Group als Partner gewinnen. Diese haben uns von Beginn an stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden und uns auch die entsprechenden Rohstoffe kostenfrei zur Verfügung gestellt. So konnten wir gerade im Bezug auf die Bier- und Limonadenrezeptur viele verschiedene Variante ausprobieren ohne dabei unseren knappen studentischen Geldbeutel zu strapazieren. Der Sieg im Wettbewerb hat dann ein großes Medieninteresse hervorgerufen aus dem der FlixBus-Auftrag hervorging. Man kann also durchaus sagen, dass das BABO blue ohne den IGL nicht in dieser Form zustande gekommen wäre.

Wir haben in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung gelesen, dass ihr eine Einladung zum Food and Beverage Innovation Forum in Shanghai bekommen habt. Wie waren eure Eindrücke? Was ist euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Das war in der Tat eine ziemlich spannende Geschichte! Ich hatte über den Zeitraum von zwei Wochen immer wieder einen Anruf von einer chinesischen Nummer bekommen, habe allerdings nie abgehoben, da ich dahinter eine Telefonabzocke oder ähnliches vermutete. Irgendwann wurde mir die ganze Sache dann aber doch suspekt und ich ging ran. Am anderen Ende der Leitung erklärte mir dann eine nette Frauenstimme, dass sie auf unser Produkt aufmerksam geworden ist und uns gerne zu besagtem Forum einladen möchte. Wir sollten dort einen 30-minütigen Vortrag halten, dessen Thema wir frei wählen können. Das einzige Problem war nur: Der Vortrag sollte in zwei Wochen stattfinden. Mein Kollege Kaspar und ich haben uns daher jeweils per Eilantrag einen aktuellen Reisepass und ein Visum besorgt, sowie den Vortrag vorbereitet und dann ging es auch schon los. Vor Ort erwartete uns eine bunte und schrille Welt sowie die neusten Trends und Innovationen auf dem F&B-Markt. Hochkaräter der Branche wie Prof. Mark Post, der Entwickler des Kunstfleisch-Burgers (http://www.zeit.de/wissen/2013-08/kuenstliches-rindfleisch-in-vitro-burger) und Marcelo Amstalden Möller – Head of Global CMI – Innovation, Global Brands & Cider bei Heineken referierte über zukunftsweisenden Themen weshalb uns zwischenzeitlich etwas mulmig wurde ob unser blaues Bier – Mixgetränk dort mithalten kann. Unser Vortrag der neben unserem Produkt auch über die Förderung von Jugendlichen in Deutschland ging ist allerdings gut angekommen und auch die anschließenden Fragen konnten wir gut meistern.
Was mir persönlich am meisten in Erinnerung geblieben ist der Eindruck, dass die Zukunft der Ernährung nichts „ungreifbares“ mehr ist. Nahezu marktreife 3D-Drucker für Lebensmittel und die Forschungen von Prof. Mark Post machten mir deutlich, dass das aktuelle Ernährungsmodell mit Massentierhaltung und immer gleichem Fast-Food, zumindest in der westlichen Welt, vermutlich noch in unserer Lebenszeit der Vergangenheit angehören wird. Mehr Informationen über die Shanghei Reise findet ihr auf dem Block der © BABO beverages UG (haftungsbeschränkt).

Jetzt da ihr die internationale Aufmerksamkeit habt, denkt ihr, dass die Zukunft eurer Bierkreationen im In- oder im Ausland liegt? Was für eine Strategie verfolgt ihr diesbezüglich?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Wir sind uns durchaus bewusst, dass der Lebenszyklus des BABO blue vermutlich begrenzt ist. Sprich man hat zwei bis drei Sommer Zeit, die man natürlich voll ausnutzen muss. Geht man in andere Märkte, kann man den Lebenszyklus dementsprechend verlängern. Wir sind daher in engem Kontakt mit internationalen Partner und werden beispielsweise nächste Woche die erste Lieferung für den rumänischen Markt abfüllen.

Der Markt für kultige Biergetränke ist sehr kurzlebig. Was für neue Produkte und Innovationen habt ihr in Planung?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Wir haben unsere Firma BABO beverages bewusst mit dem Hintergrund gegründet auch beratend tätig zu werden. Zwar werden wir das BABO Portfolio noch um mehrere Produkte erweiterten und diese selber vertreiben, allerdings sehen wir unseres Stärken aufgrund des Studiums eher in der Produktentwicklung als im Marketing und Vertrieb. Wir arbeiten auch momentan schon mit weiteren Firmen zusammen für die wir Getränke entwickeln und möchten diese Schiene in Zukunft weiter ausbauen.

Zum Abschluss eine persönliche Frage. Was sind eure Lieblingsbiere, abgesehen von euren Eigenkreationen und warum trinkt sie gerne?

Robin Stein (BABO beverages UG (haftungsbeschränkt)): Da ich dieses Interview zur etwas späteren Stunde schreibe und die anderen Jungs momentan nicht erreiche, wage ich einfach mal in ihrem Namen eine Empfehlung abzugeben. Von Kaspar bspw. weiß ich, dass er klassisches Pils liebt, was vermutlich auch an dem hervorragenden naturtrüben Keller-Bier aus der Privatbrauerei Gebr. Mayer (http://www.mayers-brauwerk.de/) liegt. Ludwig hat seine Ausbildung als Brauer und Mälzer bei der Brauerei Gutmann (http://www.brauerei-gutmann.de/hp1/Startseite.htm) gemacht und ist daher natürlich Freund eines guten Weißbiers. Josef, ebenfalls gelernter Brauer und Mälzer, ist passionierte Hobbybrauer und hat eigentlich immer eigenes Bier im Glas. Er braut das wonach ihm ist und hat daher eine große Vielfalt an Bieren im Keller. Patrick als regelmäßigen Triathlon-Teilnehmer sieht man eigentlich am häufigsten alkoholfreies Weißbier trinken, auch wenn er der Variante mit Alkohol durchaus zugeneigt ist. Ich als gebürtiger Kölner habe schon immer gerne Kölsch getrunken. Ich mag einfach den erfrischenden Geschmack und die unkomplizierte Stilistik des Bieres sowie die Heimaterinnerungen die bei ein paar kühlen Stangen Kölsch geweckt werden.
Wir alle verfolgen aber natürlich auch den Craft Beer Trend mit großem Interesse und haben uns hier durch nahezu alle in Deutschland erhältlichen Abfüllungen getrunken, wobei ich hier keine Favoriten nennen möchten. Als diesjährige Juroren im IGL-Wettbewerb ist es außerdem enorm spannend zu beobachten welche schmackhaften Biere die Teilnehmer mit seltenen Hefestämmen wie z.B. Brettanomyces bruxellensis entwickeln.

Herzlichen Dank Robin für dieses interessante und spannende Interview und den damit verbundenen Einblick in den Entstehungsprozess von BABO blue.

Mehr Informationen über BABO blue findet ihr hier.

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Interview mit Robin Stein: Miterfinder des Biermixgetränks BABO blue, 4.8 out of 5 based on 5 ratings

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